Energie. Chancen auf dem Weg in die emissionsfreie Erzeugung.

Unternehmen entlang der gesamten energiewirtschaftlichen Wertschöpfungskette stehen vor der Herausforderung der Entwicklung hin zu einer klimaneutralen Energiewirtschaft. Digitalisierungsprojekte sowie der Übergang zu dezentraler Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen steigern die Komplexität in der Energieversorgung. Betroffen sind alle Ebenen von der Investitions- und Projektplanung und -steuerung, dem Betrieb und der Versorgungssicherheit bis hin zum einhergehenden Rückbau der fossilen und nuklearen Altanlagen.​

Unsere Expertise. Ein Auszug aus unseren Leistungen.

Wir haben langjährige Erfahrung in der Unterstützung von Energieunternehmen, von strategischen Fragestellungen bis zur Optimierung auf operativer Ebene.

Effiziente Anlagennutzung. Smartes Asset Management in der Energiewirtschaft.

Unternehmen in der Energiewirtschaft stehen vor neuen Herausforderungen bezüglich des Managements ihrer Anlagen. Bau und Betrieb vergleichsweise kleiner, dezentraler Kraftwerkseinheiten erfordern von Energieversorgern eine neue Herangehensweise an das Asset Management, verglichen mit großen Kraftwerksblöcken. Der Bau von HGÜ-Trassen sowie eine intelligente Netzsteuerung (Stichwort Smart Grid) erfordern ein Umdenken und hohe Investitionen für Übertragungs- und Verteilnetzbetreiber. Zusätzlich muss auch der Rückbau von Kraftwerkseinheiten effizient und risikokontrolliert gemanagt werden.

Ausgewählte Themengebiete im Asset Management, welche Entscheider in der Energiewirtschaft beschäftigen.

Professionelles CAPEX-Management stellt einen wesentlichen Hebel zur effizienten Nutzung eingesetzten Kapitals und Reduktion von Unsicherheit bei Investitionsentscheidungen dar. Besonders im Hinblick auf den langen Planungs- und Nutzungszeitraum von  Anlagen in der Energiewirtschaft und Unklarheit hinsichtlich technologischer Innovation und zukünftiger Gesetzeslage gewinnt es zusätzlich an Bedeutung.

Richtig eingesetzt, stiftet CAPEX-Management einen langfristigen Nutzen durch Investition in langlebige Assets und ist Voraussetzung, um zukünftiges Wachstum und Weiterentwicklung von Unternehmen zu sichern. Der Fokus bei Erhaltungs- und Complianceprojekten liegt meist auf der Effizienz der Investition, während bei Erweiterungsprojekten die Effektivität im Vordergrund steht.

Die Bedeutung von CAPEX-Management lässt sich an den folgenden Charakteristiken von Energieversorgern gut ablesen. Zum einen machen Investitionen in der Branche einen hohen Anteil an der absoluten Höhe der Gesamtkosten aus und ziehen signifikante Folgekosten (z.B. für Instandhaltung) nach sich. Weiterhin sind getätigte Investitionen meist nur schwer rückgängig zu machen. Schließlich haben die Anlageninvestitionen als zentrale Enabler und Disabler der wirtschaftlichen Entwicklung eine herausragende Stellung in der Unternehmensstrategie.

Über die Jahre hat sich eine große Auswahl an Werkzeugen entwickelt, welche den Unternehmen der Energiewirtschaft zur Verfügung steht. Strukturiertes CAPEX-Management befasst sich mit dem gesamten Projektprozess, mit entsprechenden Methoden für jede Projektphase. In der ersten Planungsphase sind hier beispielhaft das Systems-Engineering und Requirements-Management zu nennen. In den Folgephasen stehen weitere Ansätze zur Verfügung (z.B. Value-Engineering, LCC-Optimierung, Härtegrad-Management, Sourcing- und Lieferantenmanagement). Weitere Werkzeuge wurden für die Projektierungs- und Bauphasen entwickelt (z.B. Einheitskostenbetrachtung, Plankostenstabilitätsansatz).

Erfolgreiche Unternehmen lassen den jeweiligen Prozessanwendern einen gewissen Freiraum bei der Umsetzung der oben genannten Werkzeuge. Allerdings sollten die Planung und eingesetzte Werkzeuge bereits vor Projektbeginn zentral erarbeitet und festgehalten werden. Hieraus erwächst die Notwendigkeit, dass Anlageneigner und -manager mit den Vorzügen und Nachteilen der individuellen Ansätze vertraut und sicher in der Anwendung sind.

Smartes Asset Management ist Schlüsselbestandteil zur erfolgreichen Bau und Betriebe großer Infrastruktur-Projekte (z.B. HGÜ-Leitungen auf den Nord-Süd-Trassen), wie auch intelligenter Verteilernetze und dezentraler Kraftwerkseinheiten. Grundlage bilden digitale Lösungen wie das Building Information Modelling (BIM) oder Predictive Maintenance, welche durch eine durchgängige Steuerung der Prozesse unterstützt werden. Hiermit kann der Zunahme an Komplexität in der Bau, Betrieb und Instandhaltung der Anlagen wirksam begegnet werden.

Im Zentrum des BIM steht ein digitaler Zwilling, welcher als zentraler Übersichts- und Koordinationspunkt von allen internen und externen Beteiligten als Referenz herangezogen wird – von Beginn der Planungsphase über Ausführung und  Betrieb bis zum Rückbau. Anhand des Modells können alle Stakeholder auf den aktuellen Stand von Baufortschritt, Anlagenzustand und auftretenden Störungen zugreifen. Aufgaben können zugewiesen und kollaborativ bearbeitet sowie der Bearbeitungsstand und -abschluss überprüft . Die Herausforderung hier in erster Linie die technische Infrastruktur und Nutzungskenntnis aller Beteiligten, auch vergleichsweise kleiner Unternehmen, zu nennen.  Idealerweise existiert ein einziges Modell (offenes BIM) – allerdings können diverse Versionen auch regelmäßig zusammengeführt werden (geschlossenes BIM). In jedem Fall liegt immer das gleiche Grundmodell zugrunde.

Neben einem gemeinsamen Referenzmodell spielt die Durchgängigkeit des Asset Managements eine herausragende Rolle. Zum einen sollte hier auf eine klare End-to-end Definition der Prozesse geachtet werden, abgebildet auf einer sowie unterstützt von geeigneten Tools zur Steuerung. Daneben sollte der Informationsfluss zwischen und auf den Managementebenen sichergestellt sein. Hierfür stellt professionelles Datenmanagement basierend auf einheitlichen Datenformaten und -strukturen die Voraussetzung dar.

Nach unserer Erfahrung müssen Energieunternehmen eine Reihe von Herausforderungen überwinden, um das volle Potential von Smart Asset Management nutzen zu können. Mögliche Themen reichen von der Anforderung an Datenbasis und IT-Landschaft über veränderte Planungsprozesse bis hin zu einer Anpassung von Rollenmodellen und Unternehmenskultur.

Der Wandel in der Energieerzeugung zwingt Versorger, sich unter Berücksichtigung der Lebenszyklen mit dem Rückbau von Anlagen auseinanderzusetzen. Dabei tritt die Problematik zu Tage, dass die in der Organisation vorherrschende Erfahrung mit Rückbauprojekten meist gering ist und aufgrund der Individualität der Anlagen wenige Referenzprojekte im Markt existieren. Jeder Rückbau ist entsprechend als Einzelfall zu würdigen und zu planen.  

Anlageneigner müssen sich dabei auch auf Risiken bei der technischen Beherrschbarkeit des Rückbauprozesses sowie bei begleitenden Genehmigungsverfahren einstellen. Auch wenn ein mögliches Restrisiko nicht komplett ausgeschlossen werden kann, können diese zumindest durch konsequentes Risikomanagement minimiert werden, insbesondere hinsichtlich möglicher, ungeplanter Kosten. Hierbei sollte auf eine aktive Risikosteuerung sowie eine Implementierung innerhalb aller betroffener Ebenen der Organisation geachtet werden. Als Zielvorgabe gilt das optimale Verhältnis zwischen Umfang und assoziierten Kosten der Maßnahme, und des Nutzens der Maßnahmen zur Risikoreduktion. 

Aktive Risikosteuerung basiert auf dem Abgleich des Verhältnisses von Soll- und Ist-Risiken für jedes Einzelprojekt. Die maximal tolerablen Soll-Risiken können mit Hilfe einer Value at Risk-Berechnung (Value at Risk als bestimmt werden, welche insbesondere die Kosten aber auch rechtlichen Konsequenzen bei Eintritt des Risikofalls einbezieht. Diesen wird eine aktuelle Analyse der Ist-Risiken gegenübergestellt, welche sich aus der Eintrittswahrscheinlichkeit und der finanziellen Auswirkung ergeben. Im Falle einer Übersteigung der Soll-Risiken durch die Ist-Risiken müssen Gegenmaßnahmen eingeleitet werden, welche idealerweise vor Projektbeginn definiert werden. Eine Überprüfung von Soll- und Ist-Risiko sollte regelmäßig erfolgen (z.B. quartalsweise), um neueste Entwicklungen mit einzubeziehen. 

Daneben muss das Risikomanagement in allen betroffenen Ebenen und Prozessen der Organisation implementiert werden. Es empfiehlt sich ein dreistufiges Modell, welches die strukturierte Erfassung der Ist-Situation, den konkreten Anpassungen in den Dimensionen Prozesse, Organisation und Mitarbeiter, sowie die Umsetzung der identifizierten Maßnahmen umfasst. Nach unserer Erfahrung ist die Einbeziehung eines externen Partners bei der Entwicklung der konkreten Maßnahmen hilfreich, um einen zweiten Blick auf die notwendige Anpassung etablierter Abläufe und Strukturen zu erhalten. 

Großprojekte im Bereich der Energie- und Versorgungsinfrastruktur – etwa Netzausbau, Kraftwerksrückbau oder umfassende Modernisierungs- und Sanierungsmaßnahmen – zeichnen sich durch hohe Investitionsvolumina, komplexe Genehmigungsverfahren und eine Vielzahl beteiligter Stakeholder aus. Ohne professionelles Projektmanagement bergen sie erhebliche Risiken in Bezug auf Terminüberschreitungen, Kostensteigerungen und Qualitätseinbußen.​

Ein integriertes Großprojektmanagement schafft hier die notwendige Transparenz und Steuerungsfähigkeit. Im Mittelpunkt stehen Projektgovernance und PMO-Strukturen, ein durchgängiges Termin-, Kosten- und Qualitätsmanagement sowie die kontinuierliche Kosten-, Leistungs- und Fortschrittsmessung. Ergänzt durch professionelles Reporting entstehen belastbare Entscheidungsgrundlagen für Steuerung und Eskalation. Ebenso entscheidend sind ein vorausschauendes Risikomanagement und die aktive Einbindung von Stakeholdern, um regulatorische Anforderungen zuverlässig zu erfüllen.​

Besondere Bedeutung gewinnt Großprojektmanagement durch seine lebenszyklusorientierte Perspektive: Projektergebnisse werden von Beginn an so gestaltet, dass sie nahtlos in Betrieb und Asset Management-Prozesse integriert werden können. Damit wird nicht nur die Umsetzungssicherheit von Infrastrukturmaßnahmen erhöht, sondern auch ein nachhaltiger Beitrag zur Versorgungssicherheit und Wertschöpfung des Asset-Portfolios geleistet.​

Fontin & Company. Thema!

Hintergründe und Analysen zu aktuellen Themen: Die Fontin & Company Thema!-Reports.

Wertschöpfungsstrategien in der Energiewirtschaft

Digitalisierung: Das Spiel bestimmen, anstatt nur an der Seitenlinie zu stehen

Die Zukunft der Stadtwerke: neue Perspektiven einnehmen

Veränderung der Wertschöpfung als Mittel zur Effizienzsteigerung bei EVU

(Neu-) Positionierung Erneuerbarer Projekte und Assets

Anlagenmanagementsteuerung: Systeme und Prozesse

F&C in Consultingresearch Kolumne: Chancen der Veränderungen in der Energiewirtschaft

Engagement von Fontin & Company im Institute of Asset Management (IAM)

Die Weiterentwicklung des Asset Managements lebt von einem offenen und unternehmensübergreifenden Austausch zu aktuellen Herausforderungen, branchenübergreifenden Sichtweisen, aktuellen Methoden und gemeinsamen Standards. Vor diesem Hintergrund sind mehrere unserer Mitarbeitenden aktiv im Institute of Asset Management (IAM) eingebunden.

Die regelmäßige Teilnahme an IAM-Jahreskonferenzen und Fachveranstaltungen rund ums Asset Management ermöglicht uns den kontinuierlichen Austausch mit weiteren Asset-Management-Verantwortlichen, Organisationen und Experten aus unterschiedlichen Branchen und Regionen. Dabei stehen Themen wie die Etablierung des strategischen Asset Managements, Sicherstellung Governance, die Integration mit bestehenden Managementsystemen oder auch die Abdeckung der steigenden Anforderungen in Bezug auf den Schutz kritischer Infrastrukturen im Fokus.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt aktuell auf der Weiterentwicklung und Anwendung der IAM Anatomy V4. Die Diskussionen rund um Inhalte, Reifegrade und praktische Umsetzbarkeit liefern wertvolle Impulse – sowohl für unsere Beratungsarbeit als auch für die Weiterentwicklung des Asset Managements als Managementpraxis.

Durch die aktive Mitwirkung unserer Mitarbeitenden im IAM stellen wir sicher, dass aktuelle Entwicklungen, internationale Best Practices und anerkannte Rahmenwerke direkt in unsere Projekte einfließen.

Präqualifiziert für Projekte der Deutschen Bahn – wir haben es schwarz auf weiß!

Seit Juli sind wir offiziell für zahlreiche Consulting-Warengruppen bei der Deutschen Bahn AG präqualifiziert – von Strategie über Projektmanagement bis hin zum Qualitätsmanagement.

Wir sind damit berechtigt, unsere Expertise in einem der größten Infrastruktur-Netze Europas einzubringen.

Hintergrund
Die offizielle Präqualifikation bei der Deutsche Bahn AG setzt einen umfangreichen Nachweis erfolgreich abgeschlossener Managementberatungsprojekte (Referenzen) voraus. Neben Aktualität und Volumen der Referenzprojekte, kommt es vor allem auf die Inhalte der jeweiligen Beratungsleistung sowie die zugehörigen Referenzkunden an.

Unsere aktuellen Präqualifikationen bei der DB im Überblick:

  • Strategische Unternehmensplanung
  • Unternehmensanalyse
  • Governance- und Steuerungsinstrumente
  • Change Management & Interne Kommunikation
  • Instandhaltung
  • Projektorganisation & Projektmanagement
  • Beratung zu Unternehmensführung & Organisation
  • Beratung zu Personalwesen & -entwicklung
  • Beratung zu Technik
  • Qualitätssicherungssysteme und Qualitätsmanagement

Mit der erfolgreich abgeschlossenen Präqualifikation und der offiziellen Urkunde in der Hand freuen wir uns darauf, die Deutsche Bahn AG und ihre verbundenen Unternehmen bei der Gestaltung einer effizienten, nachhaltigen und zukunftssicheren Infrastruktur zu unterstützen.

Baustart: Der SuedLink wird Realität – und wir sind mittendrin.

Mit dem offiziellen Baubeginn in einigen Bundesländern startet eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte für die Energiewende in die Umsetzungsphase, was jahrelang geplant, geprüft und vorbereitet wurde. Als Unternehmen sind wir stolz zusammen mit unseren Partnern einen aktiven Beitrag zur Projektumsetzung und damit zum Ausbau einer stabilen und nachhaltigen Energieversorgung in Deutschland zu leisten.

Unser Beitrag:

  • Expertise im Bereich Projektsteuerung – mit standardisierten toolgestützten Projektmanagement Methoden
  • Koordination & Steuerung von Nachunternehmen – mit Fokus auf Kosten & Leistung, Qualität und partnerschaftliche Zusammenarbeit
  • Engagement für einen reibungslosen Projektablauf vor Ort – mit Blick auf Sicherheit, Zeit und Budget
  • Transparente Kommunikation & Reporting – für datenbasierte Entscheidungen und durchgängige Transparenz über alle Projektebenen

Unser Fazit:
Herausfordernde Projekte, wie der Suedlink mit einer Gesamtlänge von etwa 700 Kilometer, mit der Durchquerung von 6 Bundesländern und einer Bauzeit von mehreren Jahren, gelingen nur gemeinsam. Sie zeigen, was möglich ist – wenn Know-how, Verantwortung und Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Stakeholdern funktionieren.

 

Sie möchten mehr über die Unterstützung komplexer Infrastrukturprojekte, unsere Expertise oder unser Team erfahren? Dann melden Sie sich gern bei uns: [email protected]

Updates der Frameworks - Was sind die Folgen für das Asset Management von Infrastrukturbetreibern?

2024 war ein bewegtes Jahr im Kontext strategischer und operativer Asset-Management-Rahmenwerke. Wer sich mit strukturierten Managementansätzen beschäftigt, wird bemerkt haben: Sowohl die GFMAM Landscape als auch die ISO 5500x-Reihe wurden überarbeitet – und liefern wertvolle Impulse für Standards, Prozesse und strategische Einbettung. Es wurden neue Richtlinien zu den Themen „Development of Public Policies“ (ISO 55011), „People Involvement and Competence” (ISO 55012) und „Management of Data Assets” eingeführt. Sie ergänzen ISO 55000 und 55001, die das Warum und Was beschreiben, in einer Art Hilfestellung und Anleitung in dem Wie – und verbessern die Anwendbarkeit der ISO 5500x-Reihe auf Projekten.

Doch insbesondere die neue Version (V4) der IAM Anatomy, veröffentlicht im Juni 2024, hebt die Diskussion auf eine neue Ebene. Die Überarbeitungen waren umfangreich und beziehen sich u.a. auf das Grundmodell des Frameworks der IAM, das „10-Box-Capability-Model“ – ehemals mit sechs Kernelementen. Es wurden die Kernelemente des Asset Managements stärker differenziert und Asset Management umfassender und anschlussfähiger gedacht. Weitere Änderungen beziehen sich auf die Erweiterung der einleitenden Kapitel, die Themenbereiche, die anhand der neu 10 Kernelemente strukturiert und erweitert wurden und die Ergänzung der Referenzen. Die aktuelle Version verweist anders als noch die V3 auf eine breitere Basis an Quellen – von ISO-Normen über die GFMAM bis hin zu sektorübergreifenden Publikationen. Auch die Anzahl der IAM internen Verweise hat zugenommen: The Big Picture, Reifegrad und das Tool zur Reifegradbewertung (SAM+), Subject Specific Guidance Documents (SSGs) etc.

Aus unserer Erfahrung spiegeln sich aus dieser Überarbeitung folgende Wirkungen wider:

Asset Management als ganzheitlichen Führungsansatz

Die IAM Anatomy V4 betont stärker als zuvor, dass Asset Management kein technischer Teilaspekt, sondern ein organisationsweites Führungs- und Steuerungssystem ist. Die neue Struktur mit eigenständigen Elementen wie Leadership & Governance, Decision-Making oder dem erweiterten Kernelement Strategy & Planning macht deutlich: Asset Management wird zunehmend als integrierter Bestandteil von Unternehmensführung verstanden – und fordert damit auch eine strategischere Verankerung in Projekten und Programmen.

Stärkere Integration mit angrenzenden Themen und Systemen  

Ein zentrales Ziel war die bessere Verknüpfung mit angrenzenden Themenfeldern und bestehenden Managementsystemen. Begriffe, Prinzipien und Referenzen wurden konsistenter aufbereitet, um z.  B. Bezüge zu Nachhaltigkeit (ESG), IT-Sicherheit (z. B. Cybersecurity) oder Risikomanagement einfacher herzustellen. Für Projekte bedeutet das: Schnittstellen zu bestehenden Systemen (z. B. ISO 9001, ISO 31000 oder ESG-Berichtspflichten) lassen sich klarer und methodisch abgesichert gestalten.

Stärkung des strategischen Steuerungsrahmen ohne die operative Umsetzung zu vernachlässigen

Die IAM Anatomy V4 schafft eine deutlichere Trennung zwischen strategischer Zielsetzung und operativer Umsetzung – und zeigt zugleich klar auf, wie beide Ebenen systematisch miteinander verbunden sind. Entscheidungsfindung, strategische Planung und Zielübersetzung stehen stärker im Fokus, ohne den operativen Lifecycle zu vernachlässigen. Diese Neugewichtung stärkt die Rolle des Asset Managements als strategisches Steuerungsinstrument – ein Aspekt, der sich gerade in frühen Projektphasen und in Transformationsvorhaben positiv bemerkbar macht. Auch in von uns durchgeführten Reifegradbewertungen spiegelt sich wider, dass die operativen Themenbereiche oft sehr gut aufgestellt sind, andere Bereiche aber noch Potenzial zu Verbesserungen zeigen.

Nach unserer Erfahrung bietet die überarbeitete IAM Anatomy V4 in der Praxis mehr als nur eine neue Struktur – sie stellt ein praxisnahes, anschlussfähiges Referenzmodell dar, das Orientierung für Aufbau, Weiterentwicklung und Integration von Asset Management in Unternehmen gibt. Wir nehmen folgende Punkte konkret auf unsere Projekte mit:

  • Strategische Klarheit durch stärkere Differenzierung von Rahmen, Planung und Umsetzung
  • Bessere Anschlussfähigkeit an Themen wie Governance, Nachhaltigkeit oder Digitalisierung
  • Mehr Handlungsorientierung durch konkretere Begriffsdefinitionen und systematisierte Verweise zu Methoden und Tools

Die Inhalte liefern damit nicht nur ein gemeinsames Begriffsverständnis, sondern auch eine konkrete Arbeitsgrundlage, um Asset Management ganzheitlich und unternehmerisch zu gestalten. Aber: Die Vergleichbarkeit im Rahmen von zum Beispiel Reifegradbewertungen oder der Strukturierung und Steuerung von Entwicklungsprogrammen wird aufgrund der umfangreichen Anpassungen allenfalls schwieriger – es muss ein vollständiges Mapping auf das neue „10-Box-Capability-Model“ erfolgen.

Noch ist die IAM Anatomy V4 ausschließlich auf Englisch verfügbar. Viele Tools und Methoden orientieren sich weiterhin am 6-Box-Modell – auch weil Übergangsprozesse noch in vollem Gange sind. Die IAM arbeitet derzeit daran und aktualisiert neben den Umsetzungshilfen (SSGs) und die Tools (z. B. SAM+, das Reifegrad-Tool des IAM). Die Übersetzung der Anatomy V4 ins Deutsche wird aktuell durch das IAM DE Chapter vorangetrieben – hier sind wir von Fontin & Company aktiv beteiligt.